Forschungsgruppe Altern und Lebenslauf (FALL)
Forschung:
AGEPOL
Alter und gewerkschaftliche Politik.
Ansatzpunkte, Handlungsfelder und organisatorische Vorraussetzungen gewerkschaftlicher Alterspolitik
Gefördert von der Hans-Böckler-Stiftung, 1990-1992
Weitgehend unbemerkt und ungewollt hat sich der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB)
mit seinen Mitgliedsorganisationen zu einer der größten
deutschen Seniorenorganisationen entwickelt: Knapp 1,6 Millionen
Mitglieder sind Rentner, Pensionäre oder "Vorruheständler".
Das Forschungsprojekt stellt die erste umfassende Untersuchung
zum Verhältnis von Rentnern und Gewerkschaften in einer "alternden"
Gesellschaft dar. Die Gewerkschaften stehen hier vor einer besonderen
Hürde, weil sie mit ihrem Mandat traditionell auf die Erwerbsarbeit
zentriert sind. Die Vertretung der Interessen von Rentnerinnen
und Rentnern erfordert eine Ausweitung des Interessenbegriffs
und Öffnung der Organisationsstrukturen. Eine der brisantesten
Frage bezieht sich darauf, ob das branchengewerkschaftliche Organisationsprinzip
bei dieser Mitgliedergruppe nicht zugunsten einer - alternativen
oder ergänzenden - branchenübergreifenden Organisation
und Politik verändert werden müßte. Dem DGB
fällt deshalb eine wichtige Rolle in dem
notwendigen Gestaltungsprozeß gewerkschaftlicher Alterspolitik
zu.
Am Beispiel der IG Metall wurde die Praxis der gewerkschaftlichen
Seniorenarbeit mit den folgenden methodischen Schritten untersucht:
- Erhebungen bei allen Gewerkschaften zur Mitgliederstruktur,
zu den Beitrags- und Leistungsregelungen und den Regelungen für
die Seniorenarbeit.
- Eine schriftliche Befragung aller Verwaltungsstellen der IG
Metall zu den praktizierten Seniorenaktivitäten.
- Eine schriftliche Befragung einer repräsentativen Stichprobe
von 1.500 IG Metall-Mitgliedern zwischen 55 und 70 Jahren zu ihrer
Lebenslage, ihren Tätigkeiten und Aktivitätswünschen
sowie ihren Erfahrungen mit und Erwartungen an die Gewerkschaft.
- Qualitative Fallstudien auf der lokalen Ebene von sieben Verwaltungsstellen
der IG Metall in den alten, je einer weiteren Verwaltungsstelle
der IG Metall und der IG Chemie-Papier-Keramik in den neuen Bundesländern.
Dabei wurden biographische Interviews mit Gewerkschaftssenioren,
teilnehmende Beobachtung von Veranstaltungen der Seniorengruppen,
Gruppendiskussionen und Expertengespräche mit den örtlichen
Gewerkschaftsfunktionären eingesetzt.
Diese Untersuchungsschritte sind eingebettet in eine weiter
gefaßte Analyse der
Seniorenaktivitäten und -politik anderer Gewerkschaften,
Verbände und Vereinigungen (einschließlich DAG, CGB und DBB).
Damit treten die Besonderheiten und zugleich die Verallgemeinerbarkeit
des engeren Untersuchungsgegenstandes hervor.
Prof. Dr. Martin Kohli (Projektleiter)
Dr. Jürgen Wolf (Projektleiter)
Harald Künemund (wiss. Mitarbeiter)
Dr. Sighard Neckel (wiss. Mitarbeiter 1990-1991)
Holger Hainke (wiss. Mitarbeiter 1991-1992)
Christina Teipen (stud. Mitarbeiterin)
Die Ergebnisse sind erschienen in:
Jürgen Wolf, Martin Kohli & Harald Künemund (Hrsg.) (1994):
Alter und gewerkschaftliche Politik. Auf dem Weg zur Rentnergewerkschaft?
Köln: Bund-Verlag.
Für eine Zusammenfassung der empirischen Befunde vgl. insbesondere:
Harald Künemund & Jürgen Wolf (1993): "Politische Pensionierung"
oder "Altenlobby". Rentner und Pensionäre in den
deutschen Gewerkschaften. In: Klose, H.-U. (Hg.): Altern der Gesellschaft.
Antworten auf den demographischen Wandel. Köln: Bund-Verlag, 308-336.
Für eine zusammenfassende Darstellung des theoretischen Rahmens vgl. insbesondere:
Harald Künemund, Sighard Neckel & Jürgen Wolf (1993): Die
Rentnergewerkschaft - Ein neuer Akteur der Alterspolitik? In:
Soziale Welt, 44, 537-554.
Zu weiteren Veröffentlichungen vgl. die Literaturübersicht der Forschungsgruppe.
Zum Anfang dieser Seite